Slide toggle
  • Schlaftipps für den Schulanfang
    War dieser Artikel hilfreich? Lass es uns wissen, wenn dir der Beitrag gefällt. Das ist für uns der einzige Weg herauszufinden, ob wir etwas besser machen können. JA NEIN

Frau mit CPAP Gerät

Aerophagie tritt auf, wenn eine Person zu viel Luft schluckt und Blähungen und Aufstoßen verspürt. Die Störung ist sehr häufig, aber trotz häufigen Schluckens und anderer verräterischer Anzeichen erkennen die Betroffenen möglicherweise nicht, dass das Schlucken von Luft die Ursache ihrer Beschwerden ist. Eine Umfrage ergab, dass zwar 23 % der Befragten Symptome von Aerophagie hatten, aber nur 13 % eine Behandlung in Anspruch genommen hatten.

Obwohl Forscher seit langem vermuten, dass die Symptome der Aerophagie auf übermäßiges Luftschlucken zurückzuführen sind, wurde 2009 die erste klinische Studie durchgeführt, die diesen Mechanismus wissenschaftlich nachweisen konnte.

Wer eine CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe anwendet, hat vielleicht schon Symptome von Aerophagie bemerkt. Es ist wichtig zu wissen, dass es viele Möglichkeiten gibt, die durch verschluckte Luft verursachten Beschwerden zu verringern. Zu verstehen, was Aerophagie verursacht und wann man einen Arzt aufsuchen sollte, sind die ersten Schritte auf dem Weg zur Linderung der Symptome.

Wodurch wird Aerophagie verursacht?

Aerophagie ist durch übermäßiges Schlucken von Luft gekennzeichnet. Die Luft gelangt in den Magen-Darm-Trakt und verursacht eine Reihe von Symptomen. Das Wort Aerophagie bedeutet im Griechischen “Luftschlucken”.

Obwohl einige der Symptome ähnlich sind, gilt Aerophagie als eine andere Erkrankung als übermäßiges Aufstoßen, Reizdarmsyndrom, Verstopfung oder funktionelle Dyspepsie, d. h. Verdauungsstörungen ohne bekannte Ursache. Aerophagie wird nicht durch eine Verstopfung des Darms verursacht. Allerdings ist es nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit Aerophagie auch an einer anderen Magen-Darm-Erkrankung leiden.

Was sind die Symptome der Aerophagie?

Die Symptome der Aerophagie hängen mit der Art und Weise zusammen, wie die Luft durch den Körper strömt. Je nachdem, ob die Luft hauptsächlich oben bleibt oder durch den Darm nach unten strömt, kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Völlegefühl
  • Aufstoßen
  • Blähungen
  • Gluckernder Magen
  • Unterleibsschmerzen oder Unwohlsein
  • Geblähter Bauch

Weniger häufige Symptome sind Verstopfung, Durchfall, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Anders als bei anderen Magen-Darm-Erkrankungen wird Erbrechen im Allgemeinen nicht als Symptom der Aerophagie angesehen. Die Symptome können mit der Zeit kommen und gehen.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Aerophagie?

Aerophagie kann immer dann auftreten, wenn eine Person zu viel Luft schluckt, aber bei bestimmten Personen kann dies häufiger vorkommen. So wird Aerophagie manchmal mit Angstzuständen in Verbindung gebracht, die unregelmäßige Atemmuster verursachen können.

Bestimmte Aktivitäten wie das Trinken von kohlensäurehaltigen Getränken können ebenfalls dazu führen, dass mehr Luft geschluckt wird. Aerophagie ist eine häufige Nebenwirkung der CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure), einer Behandlung für obstruktive Schlafapnoe, insbesondere in der Anfangsphase der Behandlung.

Wie wird Aerophagie diagnostiziert?

Um eine Aerophagie zu diagnostizieren, kann ein Arzt bzw. eine Ärztin den Patienten bzw. die Patientin bitten, seine bzw. ihre Symptome zu beschreiben, insbesondere Aufstoßen, Blähungen, Bauchschmerzen, Flatulenz oder Verstopfung. Möglicherweise achtet der Arzt auf Anzeichen eines aufgeblähten Bauches und klopft den Bauch ab, um festzustellen, ob es sich anhört, als befände sich zusätzliche Luft darin. Man kann auch Darmgeräusche abhören und sich vergewissern, dass keine Verstopfung vorliegt, die den Darm blockiert.

Eine Röntgenuntersuchung des Abdomens, auch Röntgenaufnahme genannt, kann eine visuelle Bestätigung für übermäßige Luft in den Därmen oder für einen durch die Luft erweiterten Darm liefern. Bei dieser Untersuchung prüft der Arzt, ob sich Luft und Flüssigkeit vermischen, was auf einen Darmverschluss hinweist.

Der Arzt kann auch einen supragastrischen Rülpser ausschließen, der sich vom Luftschlucken dadurch unterscheidet, dass die Luft in die Speiseröhre eintritt und sofort wieder austritt. Gegebenenfalls kann er eine obere Endoskopie durchführen, bei der eine kleine Kamera in die Speiseröhre und den Magen eingeführt wird.

Um die Diagnose Aerophagie zu erhalten, müssen die Symptome mindestens 12 Wochen lang – nicht unbedingt in Folge – innerhalb der letzten 12 Monate aufgetreten sein.

Wie verursachen CPAP-Geräte Aerophagie?

CPAP-Geräte (Continuous Positive Airway Pressure) geben einen konstanten Luftstrom ab, der die Atemwege von Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) offen halten soll. Wenn sich die Muskeln während des Schlafs entspannen, wird die Trennung zwischen der Luftröhre und der Speiseröhre schwächer, so dass die Luft leichter in die Speiseröhre eindringen kann. Diese Luft strömt dann die Speiseröhre hinunter in den Magen und manchmal in den Darm.

Schätzungsweise 16 % bis 50 % der CPAP-Anwender leiden unter Aerophagie-Symptomen, darunter sowohl Kinder als auch Erwachsene. Einige Forscher haben die durch CPAP verursachte Aerophagie auch mit den Symptomen von gastroösophagealem Reflux oder Sodbrennen in Verbindung gebracht. Die Theorie besagt, dass sich der Magen durch die verschluckte Luft aufbläht und nach oben drückt, so dass die Magensäure leichter in die Speiseröhre aufsteigen kann.

Wie kann ich verhindern, dass mein CPAP-Gerät eine Aerophagie verursacht?

Ärzte können verschiedene Methoden ausprobieren, um die Aerophagie-Symptome während der CPAP-Therapie zu verbessern.

CPAP-Druck anpassen

Die Verringerung der Gesamtluftmenge, die in den Körper einströmt, ist eine Möglichkeit, sich vor Aerophagie zu schützen, kann aber kontraproduktiv sein, wenn der niedrige Luftdruck zu einer erneuten Zunahme der Apnoesymptome führt. Um dieses Problem zu umgehen, haben einige Forscher vorgeschlagen, auf ein APAP-Gerät (Automatic Positive Airway Pressure) umzusteigen, das den Luftdruck während der Nacht nach Bedarf anpasst. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Wechsel die Symptome von Völlegefühl, Flatulenz, Aufstoßen und Bauchschmerzen lindern kann, ohne die OSA-Behandlung negativ zu beeinflussen.

Maske wechseln

Einige Forscher glauben, dass CPAP-Vollgesichtsmasken mehr Aerophagie-Symptome verursachen als Nasenmasken. Die Verwendung einer Maske, die sowohl die Nase als auch den Mund bedeckt, macht die Betroffenen anfälliger für Leckagen, und die größere Maske erfordert möglicherweise einen höheren Druck. Der behandelnde Arzt kann helfen, eine Maske zu finden, die richtig abdichtet und die notwendige Luftmenge liefert, je nachdem, ob man vorwiegend durch den Mund oder die Nase atmet.

Wenn die Anpassung des Drucks am CPAP-Gerät oder die Umstellung auf eine Nasenmaske die Aerophagie nicht lindert, sprechen die Ärzte über alternative Möglichkeiten zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe. Möglicherweise schlägt er stattdessen ein BiPAP-Gerät (Bi-Level Positive Airway Pressure) vor, da bei diesem Gerätetyp der Druck während der Ausatmung niedriger ist.

Behandlungen für weitere Ursachen von Aerophagie

Aerophagie bessert sich in der Regel durch bestimmte Änderungen der Lebensweise. Je nach Ursache der Aerophagie-Symptome kann der Arzt Folgendes empfehlen:

  • die Art des Schluckens zu ändern
  • Atemübungen zu machen
  • Einnahme von Medikamenten
  • Vermeiden von kohlensäurehaltigen Getränken, Trinkhalmen und Kaugummi
  • langsamer zu essen
  • Sprachtherapie, um das Schlucken von Luft zu minimieren

In seltenen Fällen kann eine Person so viel Luft schlucken, dass die Gefahr besteht, dass sich die Organe verdrehen und es zu Atemnot kommt. In diesen Fällen können Ärzte die überschüssige Luft mit einem Schlauch durch die Nase absaugen und Beruhigungsmittel verabreichen, um das Luftschlucken kurzfristig zu reduzieren.

Referenzen

  1. Voorhoeve, N. “Der Magen Als Vikarherender Luftkessel Nach Larynxexstirpation. Zweckmassige Aerophagie.” Acta Radiologica 7.1-6 (1926): 587-594.
  2. Leriche, René. “Chirurgische Betrachtungen über Aerophagie.” Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 132.1 (1914): 93-102.
  3. Schmidt, Hans Ulrich, and U. Lamparter. “Globussyndrom, Schluckstörungen und Aerophagie.” (1997).
  4. Eistert, B., Th Schmitt, and H. Glanz. “Untersuchungstechnik der sonographischen Kontrolle des Pharynxverschlusses nach Laryngektomie.” Laryngo-Rhino-Otologie 74.12 (1995): 756-760.
  5. Chitkara, D. K., Bredenoord, A. J., Rucker, M. J., & Talley, N. J. (2005). Aerophagia in adults: A comparison with functional dyspepsia. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 22(9), 855–858.
  6. Loening-Baucke V. (2000). Aerophagia as cause of gaseous abdominal distention in a toddler. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 31(2), 204–207.
  7. Hemmink, G. J., Weusten, B. L., Bredenoord, A. J., Timmer, R., & Smout, A. J. (2009). Aerophagia: Excessive air swallowing demonstrated by esophageal impedance monitoring. Clinical Gastroenterology and Hepatology: The Official Clinical Practice Journal of the American Gastroenterological Association, 7(10), 1127–1129.
  8. Bredenoord A. J. (2013). Management of belching, hiccups, and aerophagia. Clinical Gastroenterology and Hepatology: The Official Clinical Practice Journal of the American Gastroenterological Association, 11(1), 6–12.
  9. Shepherd, K., Hillman, D., & Eastwood, P. (2013). Symptoms of aerophagia are common in patients on continuous positive airway pressure therapy and are related to the presence of nighttime gastroesophageal reflux. Journal of Clinical Sleep Medicine: JCSM: Official Publication of the American Academy of Sleep Medicine, 9(1), 13–17.
  10. A.D.A.M. Medical Encyclopedia. (2021, September 1). Small bowel obstruction – x-ray.
  11. Shirlaw, T., Hanssen, K., Duce, B., & Hukins, C. (2017). A randomized crossover trial comparing autotitrating and continuous positive airway pressure in subjects with symptoms of aerophagia: Effects on compliance and subjective symptoms. Journal of Clinical Sleep Medicine: JCSM: Official Publication of the American Academy of Sleep Medicine, 13(7), 881–888.
  12. Genta, P. R., Grad, G. F., & Herculano, S. (2017). Aerophagia during CPAP for OSA: The case for auto-CPAP and nasal mask. Journal of Clinical Sleep Medicine: JCSM: Official Publication of the American Academy of Sleep Medicine, 13(7), 859–860.

War dieser Artikel hilfreich?

show