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  • Schlaftipps für den Schulanfang
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Viele Eltern fragen sich, ob ein Schlaftraining sich positiv oder doch eher negativ auf das Kind und dessen Entwicklung auswirkt. Es wird oft angezweifelt, ob die Ferber-Methode nicht zu herzlos ist und die Pick-Up-Put-Down-Methode das Kind nicht zu abhängig von den Eltern macht.

Lese hier alles über Mythen und Tatsachen des Schlaftrainings:

Was ist ein Schlaftraining?

Unter einem Schlaftraining versteht man bestimmte Methoden, die dem Baby dabei helfen sollen, besser ein- und durchzuschlafen. Diese müssen regelmäßig wiederholt werden, um zu garantieren, dass sie funktionieren. Hierbei unterscheidet man zwischen der Cry It Out Methode oder der Ferber-Methode und der Pick-Up-Put-Down-Methode. Beide von ihnen haben über die Jahre verschiedene Kritikpunkte erhalten, woraus auch einige Mythen entstanden sind.

Die Ferber-Methode

Die Cry-It-Out-Methode oder die Ferber-Methode ist eines der bekanntesten Schlaflernprogramme. Sie wurde nach dem amerikanischen Kinderarzt und Schlafforscher Dr. Richard Ferber benannt und soll dem Kind eigenständiges Ein- und Durchschlafen beibringen. Hierbei legt man das Baby in sein Bett und verlässt das Zimmer. Das Baby fängt an zu schreien, doch bevor man das Zimmer wieder betritt, soll man das Kind fünf Minuten weinen lassen. Auch beim Betreten des Zimmers soll man das Kind nicht hochnehmen, sondern lediglich neben dem Bett sitzen und es mit der reinen Anwesenheit beruhigen. Die Dauer der Minuten soll jeden Tag erhöht werden, wobei man den Abstand auf maximal 30 Minuten steigern soll. Das Baby soll lernen, dass die Eltern zwar immer noch für ihn da sind, doch dass er von nun an allein einschlafen muss.

Pick-Up-Put-Down-Methode

Diese Methode ist das komplette Gegenteil der Ferber-Methode und zielt auf Körperkontakt, doch ist genauso wirksam. Die von Tracy Hogg ins Leben gerufene Technik soll dem Baby durch Hochnehmen, Beruhigen und Hinlegen dabei helfen einzuschlafen. Ebenso wie die Ferber-Methode muss diese konstant wiederholt werden, um Erfolge zu erzielen. Zusätzlich soll man dem Kind nach dem Hinlegen mit einer Phrase wie „Gute Nacht“ signalisieren, dass es Schlafenszeit ist. Das Zimmer soll man erst verlassen, wenn das Kind eingeschlafen ist und wieder betreten, sobald es aufwacht und weint. Wie Ferber, verspricht diese Methode, dass das Baby bereits nach ein paar Tagen weniger weint und man es seltener hochnehmen müsse.

Wer das Kind weinen lässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit dem Kind psychologischen Schaden zuzuführen

Die Ferber-Methode soll dem Kind das Herumtragen abgewöhnen und selbstständiges Einschlafen beibringen. Viele denken, dass man das Kind so lange alleine im Zimmer weinen lässt, bis es von allein aufhört und einschläft. Dies ist so nicht ganz richtig. Die Ferber-Methode sieht es vor, mit kurzen Abständen anzufangen und auf maximal 30 Minuten zu erhöhen. Das bedeutet, dass das Kind jeden Tag etwas länger allein im Zimmer gelassen wird, damit es sich besser daran gewöhnen kann. Doch es wird nicht vollkommen verlassen, da die Eltern zur Beruhigung das Zimmer wieder betreten und sich neben das Kind setzen. Man tröstet das Kind durch reine Anwesenheit, bis es schläfrig wird. Es ist also ein großer Unterschied, ob ein Kind in einem Waisenhaus keine Zuwendung erhält und die Stresshormone dadurch über einen längeren Zeitraum erhöht sind oder ob das Kind ein Schlaftraining durchmacht, wo keine bewiesenermaßen keine langfristigen Nebenwirkungen auf die Psyche auftreten.

Das Baby muss immer hochgehoben werden, wenn es schreit

Das kommt natürlich darauf an, für welche Methode sie sich entscheiden. Bei der Pick-Up-Put-Down-Methode schreibt Hogg zwar vor, das Kind hochzunehmen, wenn es weint, doch das gilt lediglich für das Schlaftraining. Wenn man das Kind jedes Mal hochnimmt, wenn es weint, wird es lernen, dass es nur zu weinen braucht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Kind kann dadurch sehr abhängig von den Eltern werden und beispielsweise nicht mit einem Babysitter oder bei Oma gelassen werden. Es kann spüren, ob die Mutter oder jemand anderes es hochnimmt. Jedoch sollte jedes Elternteil selbst entscheiden, wie es das Kind erzieht.

Kind schläft mit Teddy

Das Baby kann auch bei Tageslicht schlafen

Wenn Eltern mit dem Schlaftraining beginnen, glauben manche, dass das Baby den Mittagsschlaf auch bei Tageslicht machen kann. Zum einen möchten sie, dass das Kind den Unterschied zwischen Tag und Nacht lernt. Auf der anderen Seite möchten sie aber auch, dass es nachts besser durchschläft, weshalb sie das Zimmer bei Tag nicht abdunkeln. Manche Kinder mögen bei Tageslicht einschlafen können, doch das trifft nur auf wenige zu. Der menschliche Organismus benötigt die Dunkelheit, damit das Melatonin (das Schlafhormon) ausgeschüttet werden kann. Wenn dies nicht geschieht, kann der Körper nicht in den Ruhemodus gelangen und produziert stattdessen Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin, welche das Baby wachhalten. Daher sollte der Raum, wo das Kind schläft, auch tagsüber abgedunkelt werden.

Wenn ich das Kind ab und zu eine Stunde später schlafen lege, ist das nicht schlimm

Eine unregelmäßige Schlafenszeit sollte man während des Schlaftrainings unbedingt meiden. Wenn die Zubettgehzeiten nicht konstant sind, wird der Schlaf-Wach-Rhythmus des Kindes nicht gefördert. Somit kann sich der zirkadiane Rhythmus des Babys nicht entwickeln und es wird sich schwerer an die Schlafenszeiten gewöhnen. Man sollte das Kind ungefähr zwischen 7 und 8 Uhr ins Bett bringen, damit es lernt, schlafen zu gehen, wenn es draußen dunkel wird. Dies trifft auch auf den Mittagsschlaf zu. Damit das Schlaftraining funktioniert, muss auch hierbei eine konstante Schlafenszeit eingehalten werden.

Babys schlafen sehr tief

Babys haben im Gegensatz zu Erwachsenen einen sehr leichten Schlaf, somit ist ihr Tiefschlaf nicht so ausgeprägt wie bei ihren Eltern. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass Babys erwachen, wenn sie ein Hungergefühl verspüren. Während der Schlaf von Erwachsenen sich in vier Schlafzyklen unterteilt, spricht man bei Neugeborenen nur von der aktiven und ruhigen Phase. Die aktive Phase ist eine noch nicht vollständig entwickelte Form des Tiefschlafs, welcher mehr als die Hälfte der Schlafenszeit ausmacht. Ungefähr 40 % der Schlafenszeit besteht aus der Ruhephase, welche sich durch gleichmäßige Atmung und Entspannung des Körpers kennzeichnet. Erst nach der vierten Woche fangen Babys sehr langsam an, sich an den Schlafrhythmus der Erwachsenen zu gewöhnen und schlafen meist zur Nachtzeit. Deshalb ist ein Schlaftraining so wichtig für das Kind.

Wenn das Schlaftraining nach ein paar Tagen nicht funktioniert, sollte man es wechseln

Laut Ferber sollen die ersten Erfolge der Cry-It-Out-Methode nach bereits einigen Tagen zu sehen sein. Doch hierbei sollte man nicht verzweifeln, wenn es nicht so ist. Jedes Baby ist anders und braucht unterschiedlich viel Zeit, um sich an ein Schlaftraining zu gewöhnen. Manche brauchen nur ein paar Tage und manche eine Woche oder länger. Wenn man alle drei bis vier Tage die Methode wechselt, gibt es im Schlaftraining keine Konstanz und das Einschlafen gestaltet sich für das Baby noch schwieriger. Zudem wird das Kind durch den ständigen Wechsel verwirrt sein und nicht wissen, was sie sich von ihm wünschen. Wenn sie sich also für eine Methode entschieden haben, sollten sie diese beibehalten, die Ergebnisse werden sich früher oder später zeigen.

Fazit

Ob sie sich nun für die Ferber-Methode oder die Pick-Up-Put-Down-Methode entscheiden, beide garantieren Erfolge. Man sollte sich für eine entscheiden, mit der man sich wohlfühlt. Keine von beiden schadet dem Kind, sondern hilft ihm lediglich einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus zu garantieren. Man sollte jedoch das Zimmer vorher abdunkeln, damit der Körper des Kindes genug Melatonin ausschütten kann, um es schläfrig zu machen. Zudem sollte die Methode, für die sie sich entschieden haben, nicht gewechselt werden, da das Kind dadurch nur verwirrt wird. Wichtig ist es auch regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten, damit das Kind sich daran gewöhnen kann und das Training seine Wirkung zeigt.

Referenzen

  1. Ball, Helen L. “The infant sleep myth.” Society now.30 (2018): 18-19.
  2. Robbins, R., et al. “0408 Myths About Infant, Child, and Adolescent Sleep: Addressing False Beliefs That Hinder Sleep Health During These Crucial Developmental Stages.” Sleep43 (2020): A156.
  3. Hegarty, Stephanie. “The myth of the eight-hour sleep.” BBC News Magazine22 (2012).
  4. Smith, Bobbi. “The Ferber method and other behavioral sleep training methods: Do they disrupt attachment and impact physical and psychological wellbeing?.” (2016).
  5. Liu, Amy. “Sleep Training.” Pediatric annals3 (2020): e101-e105

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Über den Autor:

Jana Krüger
Jana ist eine wissensdurstige Texterin mit einem kürzlich erworbenen Bachelor in Germanistik, die sich auf medizinische Texte spezialisiert hat und in ihrer Freizeit gerne Yoga macht und lehrt.
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