Bettnässen und Schlaf

Bettnässen ist ein bekanntes Problem, das viele Menschen irgendwann einmal erleben. Dennoch kann Bettnässen sowohl für Kinder als auch für Eltern unangenehm und beunruhigend sein, besonders wenn es bei älteren Kindern auftritt.

Bettnässen und Schlaf

Was ist Bettnässen?

Bettnässen, auch „nächtliche Enuresis“ genannt, ist unfreiwilliges Wasserlassen während des Schlafes bei Kindern über fünf Jahren. Obwohl Bettnässen bei Jungen etwas häufiger vorkommt als bei Mädchen, betrifft es Kinder aller Geschlechter.

Wann ist Bettnässen ein Problem?

Bettnässen kann bei kleinen Kindern erwartet werden, wird aber mit zunehmendem Alter seltener und weniger häufig. Die Häufigkeit des Bettnässens bei Kindern nimmt im Allgemeinen um das fünfte Lebensjahr herum merklich ab, wobei nur 1 % dieser Gruppe nachts ins Bett nässt. Zwanzig Prozent der Fünfjährigen nässen mindestens einmal im Monat ins Bett, auch wenn sie ansonsten aufs Töpfchen gehen. Im Erwachsenenalter nässt weniger als ein Prozent aller Menschen mindestens einmal im Monat ins Bett.

Da jedes Kind in unterschiedlichem Tempo reift und seine Entwicklungsschritte vollzieht, hören verschiedene Kinder in unterschiedlichem Alter mit dem Bettnässen auf. Im Allgemeinen wird gelegentliches Bettnässen in der Kindheit als normal angesehen und ist nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste.

In seltenen Fällen deutet das Bettnässen auf ein zugrunde liegendes Problem hin. Eltern sollten medizinische Tests in Erwägung ziehen, wenn ihre Kinder eines der folgenden Probleme haben:

  • Plötzliches Auftreten von Bettnässen bei älteren Kindern oder Teenagern nach einer langen Periode des Schlafes ohne Bettnässen
  • Schmerzhaftes Wasserlassen
  • Trüber oder verfärbter Urin
  • Tagesinkontinenz
  • Probleme mit dem Stuhlgang, wie Verstopfung oder mangelnde Darmkontrolle
  • Schlafprobleme, wie z. B. nicht geweckt werden zu können
  • Übermäßiger Durst

Mögliche Ursachen für Bettnässen

Die meisten Fälle von Bettnässen sind normal und haben keine zugrunde liegende Ursache. Dennoch gibt es eine Vielzahl von möglichen Ursachen, die zu Bettnässen führen können. Dazu gehören:

  • Ängste: Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die unter Bettnässen leiden, deutlich häufiger Angstprobleme haben als Kinder, die nicht ins Bett machen. Angstzustände können das Ergebnis eines chronischen, andauernden Stresszustandes sein oder eine direkte Reaktion auf einen bestimmten stressigen Zustand oder ein Ereignis. Kinder, die mit Bettnässen zu kämpfen haben, leiden häufiger unter generalisierten Ängsten, Panikattacken, Schulphobie, sozialen Ängsten und Trennungsangst. Wenn Bettnässen ein andauerndes Problem ist, sollten Eltern in Betracht ziehen, ihr Kind auf eine Angststörung untersuchen zu lassen.
  • Ess- und Trinkgewohnheiten: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke sind harntreibend, was bedeutet, dass sie den Körper dazu bringen, mehr Urin zu produzieren. Manche Kinder reagieren empfindlicher auf harntreibende Lebensmittel als andere. Koffein, insbesondere das in Kaffee und Tee vorkommende, ist ein wichtiges Diuretikum. Auch der Zeitpunkt, zu dem ein Kind trinkt, kann einen Einfluss darauf haben, wie wahrscheinlich es ist, dass es ins Bett macht. Aus diesem Grund beschränken viele Eltern die Flüssigkeitszufuhr ihrer Kinder am Abend, wenn die Schlafenszeit naht.
  • Harnwegsinfektionen: Manchmal nässen Kinder ins Bett, weil sie eine Harnwegsinfektion haben. Zu den häufigen Symptomen einer Harnwegsinfektion gehören häufiger und unerwarteter Harndrang sowie eine Blasenentzündung, die beide zu Bettnässen führen können. Obwohl Harnwegsinfektionen leicht behandelbar sind, werden sie bei Kindern oft zunächst nicht diagnostiziert, da sie manchmal nicht in der Lage sind, ihre Symptome zu erklären.
  • Schlafapnoe: Bei der Schlafapnoe setzt der Körper während des Schlafs wiederholt die Atmung aus. Sie ist bei Erwachsenen häufig, aber neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass sie auch bei Kindern vorkommt. Eine mögliche Auswirkung der Schlafapnoe ist die Produktion eines Hormons namens „atriales natriuretisches Peptid“ (ANP). ANP veranlasst die Nieren, während des Schlafs zusätzlichen Urin zu produzieren, was zu Bettnässen führen kann.
  • Verstopfung: Verstopfung führt dazu, dass sich überschüssige Exkremente im Rektum ansammeln, was dazu führen kann, dass sich das Rektum aufbläht. Das Rektum befindet sich direkt hinter der Blase, so dass in manchen Fällen ein vorgewölbtes Rektum auf die Blase drückt. Infolgedessen kann regelmäßige Verstopfung zu Bettnässen führen. Kinder, die sowohl unter Verstopfung als auch unter Bettnässen leiden, sollten zuerst die Verstopfung behandeln und dann sehen, ob das Bettnässen nachlässt.
  • Weniger häufige, aber potenziell schwerwiegendere Ursachen für Bettnässen sind:
  • Nieren-Probleme: Die Nieren spielen eine wichtige Rolle bei der Urinproduktion und -ausscheidung, so dass Bettnässen manchmal durch vergrößerte Nieren oder chronische Nierenerkrankungen verursacht werden kann. Kinder mit einer Nierenerkrankung können neben dem Bettnässen auch Gewichtsverlust, erhöhten Durst oder vermehrtes Wasserlassen aufweisen.
  • ADH-Insuffizienz: Bei einem gesunden Menschen produziert das Gehirn ein Hormon namens „antidiuretisches Hormon“ (ADH). Dieses Hormon verlangsamt die Geschwindigkeit, mit der die Nieren während der Nacht Urin produzieren. Wenn die ADH-Produktion unzureichend ist oder wenn der Körper ADH nicht richtig verarbeitet oder darauf reagiert, verlangsamt sich die Urinproduktion in der Nacht nicht ausreichend, was zu Bettnässen führen kann.
  • Diabetes: Diabetes wird durch eine unzureichende Produktion des Hormons Insulin verursacht, das dem Körper hilft, Zucker zu verarbeiten. Bei unbehandelten Patienten führt Diabetes dazu, dass der Körper den Zucker über den Urin ausscheidet, was zu häufigem Wasserlassen führt. Eines der häufigsten ersten Symptome von Diabetes bei Kindern ist ein deutlich vermehrtes Wasserlassen, oft auch Bettnässen.

Darüber hinaus erhöhen bestimmte Faktoren das Risiko des Bettnässens, insbesondere bei Kindern. Dazu gehören:

  • Familiengeschichte: Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Bettnässen vererbbar ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind ohne familiäre Vorbelastung mit Bettnässen zu kämpfen hat, liegt im Durchschnitt bei 15 %. Wenn ein Kind einen Elternteil hat, der mit Bettnässen zu kämpfen hatte, erhöht sich der Risikofaktor auf 50 %, während ein Kind mit zwei Elternteilen, die Bettnässen hatten, einen Risikofaktor von 75 % hat.
  • ADHS: Bettnässen tritt häufiger bei Menschen mit ADHS auf, insbesondere bei Kindern. Obwohl der Zusammenhang zwischen Bettnässen und ADHS noch nicht vollständig geklärt ist, zeigen Untersuchungen, dass Kinder mit ADHS im Vergleich zu ihren neurotypischen Altersgenossen ein erhöhtes Risiko für Bettnässen haben.
  • Ein „Tiefschläfer“ sein: Kinder, die ins Bett nässen, werden oft als „Tiefschläfer“ bezeichnet. Ein besonders tiefer Schlaf kann die Art und Weise beeinflussen, wie der Körper mit dem Gehirn kommuniziert, wenn es um das Wasserlassen geht. Ein tief schlafendes Kind hat es möglicherweise schwerer, ein effektives Signalsystem zu entwickeln, das es aufweckt, wenn es urinieren muss. Stattdessen entspannt sich der Beckenboden des Kindes während des Schlafs, und es kommt zum Bettnässen. Die Kontrolle zwischen Gehirn und Blase entwickelt sich mit der Zeit auf natürliche Weise und verbessert sich mit zunehmendem Alter, aber Kinder, die tief schlafen, brauchen oft länger, um nachts vollständig trocken zu werden.

Wie Bettnässen den Schlaf beeinträchtigt

Bettnässen kann den Schlaf auf vielfältige Weise beeinträchtigen. Zum einen kann das Bettnässen dazu führen, dass ein Kind aufwacht, was oft zu einer längeren Schlafunterbrechung führt, während es sich entweder selbst sauber macht oder einen Erwachsenen holt, der ihm beim Saubermachen hilft. Nach dieser Art von nächtlicher Unterbrechung kann es oft schwierig sein, wieder einzuschlafen.

Darüber hinaus kann der Kampf gegen das Bettnässen psychosoziale Probleme verursachen. Kinder können zum Beispiel Angst vor der Schlafenszeit empfinden, was das Einschlafen erschweren kann. Bettnässen kann auch zu Schamgefühlen und Depressionen sowie zu sozialer Verlegenheit führen, was das emotionale Wohlbefinden des Kindes beeinträchtigen und zu weiteren Schlafproblemen führen kann.

Schließlich kann chronisches Bettnässen in einigen Fällen zu Hautausschlägen und Reizungen führen, da die Haut dem Urin ausgesetzt ist, was zu Unwohlsein führen kann, das den Schlaf weiter beeinträchtigt.

Wie man Bettnässen stoppt

Das Problem des Bettnässens anzugehen, mag zunächst schwierig erscheinen, aber es ist oft viel weniger kompliziert als es scheint. Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die man ergreifen kann, um den meisten Problemen mit dem Bettnässen auf den Grund zu gehen. Die folgenden Punkte helfen dabei, das Bettnässen bei Kindern zu reduzieren.

  • Fragt Euer Kind, ob etwas nicht in Ordnung ist. Es mag offensichtlich klingen, aber eines der besten Möglichkeiten, die ein Elternteil hat, wenn es um Bettnässen geht, ist Kommunikation. Fragt Euer Kind, ob es etwas gibt, das es stört oder das es besorgt, wütend oder traurig macht. Wenn man weiss, dass etwas im Leben des Kindes in letzter Zeit nicht in Ordnung war oder dass es eine wichtige Veränderung in seinem Leben durchmacht, sollte man es fragen, wie es sich bei diesen Dingen im Besonderen fühlt. Wenn die Ursache des Bettnässens emotional oder psychologisch bedingt ist, kann diese Art von Gespräch dem Kind helfen, sich sicher zu fühlen und mit den Eltern darüber zu sprechen. Es ist auch hilfreich, Kinder über ihren Körper zu befragen, mit dem Fokus auf alles Neue, das sie erleben. Dies kann helfen, ein möglicherweise einzustellendes Verhalten oder eine zugrunde liegende medizinische Ursache zu identifizieren.
  • Eine unterstützende Haltung beibehalten und von Bestrafung absehen. Die meisten Kinder, die in ihr Bett nässen, tun dies nicht absichtlich. Obwohl Bettnässen alarmierend und unangenehm für die Eltern sein kann, sollte es nicht sofort als Verhaltensproblem betrachtet oder mit Bestrafung behandelt werden. Vielmehr sollte es zunächst als unwillkürlicher, relativ üblicher Entwicklungsschluckauf betrachtet und mitfühlend und ohne Wut oder Scham angesprochen werden. Sagt Eurem Kind, dass Euch das Thema Bettnässen am Herzen liegt, dass Ihr es unterstützt und mit ihm mitfühlt, wenn Ihr darüber sprecht.
  • Führt einen Kalender. Das Eintragen von trockenen Tagen im Vergleich zu Bettnässertagen kann Eltern helfen, ein besseres Gefühl für das Problem zu bekommen und mögliche Auslöser zu erkennen. Eltern können auch einen Bettnässer-Kalender mit ihrem Kind führen und ihn in ein Anreizsystem für das Erreichen von Meilensteinen einbeziehen, indem sie Belohnungen für eine vollständig trockene Nacht, Woche, Monat, etc. anbieten. Dies wird als eine Form der Verhaltenstherapie angesehen. Manche Kinder sind positiv motiviert, wenn sie ihre Fortschritte visuell verfolgen und Belohnungen erhalten, wenn sie ihre Ziele erreichen.
  • Schlafhygiene verbessern. Vielen schlafbezogenen Problemen kann mit der Verbesserung der „Schlafhygiene“ geholfen werden. Die Verbesserung der Schlafhygiene bedeutet, eine Umgebung und eine Reihe von Gewohnheiten zu schaffen, die eine gute Nachtruhe ermöglichen. Wie bei anderen Schlafproblemen kann die Verbesserung der Schlafhygiene die Kontrolle über die nächtliche Blase verbessern, da Bettnässen und schlechte Schlafhygiene miteinander zusammenhängen. Zu den Tipps zur Verbesserung der Schlafhygiene gehören eine regelmäßige Aufwach- und Schlafenszeit, das Entwickeln von Routinen vor dem Schlafengehen, das Schaffen einer angenehmen, ruhigen Schlafumgebung und eine Stunde Bildschirmverzicht vor dem Schlafengehen.
  • Anpassung der Trinkzeiten tagsüber und nachts. Wenn möglich, sollte man versuchen, das Kind 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen vom Trinken abzuhalten, damit es weniger wahrscheinlich ist, dass es während der Nacht urinieren muss. Es ist auch wichtig, darauf zu achten, dass Kinder über den Tag verteilt regelmäßig trinken, um einen „Durstüberfluss“ vor dem Schlafengehen zu vermeiden.
  • Anpassung der Zeitplanung/Gewohnheiten für das Bad. Das Kind sollte so kurz vor dem Schlafengehen auf die Toilette gehen wie möglich. Es sollte eines der letzten Dinge sein, die es in seiner nächtlichen Routine tut und kann bei Bedarf wiederholt werden. Zusätzlich sollte das Kind über den Tag verteilt regelmäßige Toilettenpausen einplanen, um die Nieren und die Blase des Kindes gesund zu halten und ihm zu helfen, auf die Bedürfnisse seines Körpers zu achten.
  • Vermeide blasenreizende Stoffe. Manche Menschen glauben, dass bestimmte Nahrungsmittel und Getränke den Körper dazu veranlassen, mehr Urin zu produzieren, oder die Blase reizen und die Blasenkontrolle verringern. Andere Experten raten davon ab, die Ernährung eines Kindes zu verändern, um das Bettnässen in den Griff zu bekommen. Wenn du glaubst, dass die Ernährung deines Kindes zu Blasenreizungen oder übermäßigem Urinieren führen könnte, sprich mit deinem Kinderarzt, bevor du die Ernährung änderst.
  • Biofeedback. Einige Studien legen nahe, dass Biofeedback eine erfolgreiche Behandlung für Kinder sein könnte, die mit Bettnässen zu kämpfen haben. Biofeedback ermöglicht es Kindern, sich der physiologischen Reaktionen ihres Körpers bewusster zu werden. Beim Biofeedback-Verfahren wird das Kind an ein Gerät angeschlossen, das es über Veränderungen der körperlichen Prozesse wie Temperatur, Muskelspannung, Atmung, Gehirnaktivität und mehr informiert.
  • Beckenbodenübungen. Die Forschung zeigt, dass Beckenbodenübungen bei vielen Kindern das Bettnässen erfolgreich beseitigen können. Obwohl diese Methode noch weiter erforscht werden muss, ist Beckenbodentraining eine mögliche Lösung, die man ausprobieren kann, wenn andere Behandlungen nicht anschlagen.
  • Gebrauch eines Nässealarms. Nässealarme funktionieren über einen kleinen Sensor, der im Schlafanzug oder in der Bettwäsche des Kindes angebracht wird. Wenn das Kind zu urinieren beginnt, erkennt der Sensor die Feuchtigkeit und der Alarm geht los, wodurch das Kind im Idealfall geweckt wird, und die Möglichkeit hat, die Toilette aufzusuchen. Wenn der Alarm über einen längeren Zeitraum (in der Regel etwa 12 Wochen) verwendet wird, kann er dazu beitragen, dass das Kind auf natürliche Weise aufwacht, bevor es zu urinieren beginnt. Ein Nässealarm sollte nur dann eingesetzt werden, wenn das Kind damit einverstanden ist und den Zweck des Alarms versteht. Andernfalls kann er nur zu weiterer Demütigung, Scham und Frustration führen.
  • Fragt euren Kinderarzt. Wenn das Bettnässen weiterhin auftritt, sollte man den Kinderarzt fragen, ob es mögliche Ursachen gibt, über die man sich Gedanken machen sollte. In einigen Fällen kann der Kinderarzt Tests durchführen, um zugrundeliegende Ursachen auszuschließen oder zu identifizieren. Der Kinderarzt kann auch dabei helfen, einen Plan zur Behandlung des Bettnässens zu entwickeln, der auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist.