Schlafmangel – nicht auf die leichte Schulter zu nehmen

 

Schlafmangel macht krank

Ob freiwillig oder unfreiwillig, jeder hat es schon einmal erlebt: Schlafmangel. Entweder war die Serie zu spannend, der Tag zu stressig oder die Gedanken zu laut. Am nächsten Tag fühlst Du Dich übermüdet, bist schneller gereizt und konzentrationslos, Deine Leistungen lassen schnell nach. Doch nicht nur das, Schlafmangel kann ganz schnell auch gefährlich werden im Alltag:

Verzögerte Reaktionsfähigkeit, unbeabsichtigter Sekunden- oder Minutenschlaf, schlechte Laune, Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfung und Kopfschmerzen sind nur einige der möglichen Folgen. Sekundenschlaf is ganz besonders im Straßenverkehr verheerend und kann sogar lebensgefährlich sein.

 

Die gefährlichen Folgen der Übermüdung

Die Vergangenheit zeigt deutlich, wie gefährlich Übermüdung durch Schlafmangel sein kann. Viele Unglücksfälle konnten nur passieren, weil die zuständigen Personen übermüdet oder eingeschlafen waren und dadurch ihren Job nicht erledigen konnten.

Im März 1979 kam es zu einem gefährlichen Zwischenfall in dem Atomreaktor „Three Miles Island“ in Harrisburg, gegen vier Uhr morgens, aufgrund „menschlichen Versagens“.

Auch der Unfall des Atomreaktors in Tschernobyl im April 1986 ist auf die Übermüdung des Kontrollpersonals zurückzuführen.

Ein weiteres Beispiel zeigt der Unglücksfall der Raumfähre „Challenger“ im Januar 1987. Nach nur zwei Stunden Schlaf trafen übermüdete Mitarbeiter der NASA wichtige Entscheidungen, die mit zum Absturz der Raumfähre führten.

Für das Kentern der Fähre „Herald of Free Enterprise“ im März 1987 war ein Bootsmann verantwortlich, der die Bugklappen bei Hafenausfahrt hätte schließen sollen, allerdings aus Erschöpfung in seiner Kabine eingeschlafen war. Es kamen dabei 193 Menschen ums Leben.

Im April 1988 erlitt ein japanisches Tankschiff namens „Matsukaze“ ein ähnliches Schicksal, als es morgens um 3.15 Uhr in der Straße von Juan de Fuca im Pazifik auf Grund lief. Verantwortlich dafür war eine Wache, die auf der Brücke eingeschlafen war.

In Alaska verunglückte 1988 der Tanker „Exxon Valdez“, nachdem dessen übermüdete Mannschaft das Ruder einem unerfahrenen Mann überließ.

Im Jahr 1991 und 1999 kamen erst 233 Menschen und acht Jahre später 217 Menschen bei zwei Flugzeugabstürzen mit Flugzeugen derselben Baureihe ums Leben, deren Grund technische Defekte waren, die auf die Übermüdung der Fabrikbelegschaft zurückzuführen war.

Quelle: PSYCHOLOGIE HEUTE, Juli 2001

 

Nacht-/Schichtarbeit

Leider kannst Du oft nicht einmal etwas dafür, wenn Dein Körper unter Schlafmangel leidet – berufliche Arbeitsschichten sind ein häufiger Grund für Übermüdung. Der Schlafrhythmus wird dabei stark durch wechselnde Arbeitszeiten gestört, wodurch auf Dauer die körperliche und psychische Gesundheit darunter leiden muss. Studien belegen: Schichtarbeiter leiden überdurchschnittlich oft an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Traktes, der Leber und der Schilddrüse. Innere Unruhe, Nervosität, Kopfschmerzen und Erschöpfungszustände sind dabei eine häufige Nebenerscheinung. Gefährlich dabei ist, dass bei langjähriger Schichtarbeit die Schlafstörung chronisch werden kann. Festgestellt wurde allerdings, dass schnell rotierende Schichtwechsel besser zu bewältigen sind als langsame Wechselschichten. Also wenn Du die Möglichkeit dazu hast – lieber häufig zwischen Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht wechseln.

 

Die körperlichen Folgen

Die Sieben-Punkt-Erklärung

Schon lange ist es in der Wissenschaft bekannt, dass der menschliche Körper unter Schlafmangel stark zu leiden hat, was Unfälle und Katastrophen zur Folge haben kann. In Stockholm wurde daraufhin 1994 in einer internationalen Konferenz beschlossen, dass es einen Zusammenhang zwischen Arbeitszeiten, Übermüdung und Unfällen gibt. Daraufhin erstellten Experten die folgende Sieben-Punkt-Erklärung.

 

GEWÜNSCHT

  1. Der Schlaf des Menschen ist ein zentrales und lebenswichtiges Grundbedürfnis.
  2. Wird dieses Bedürfnis missachtet, etwa durch zu kurze Schlafdauer oder durch Nachtarbeit, können die Folgen weiter reichen, als viele wahrhaben wollen. Die schädlichen Auswirkungen von chronischem Schlafentzug, ungenügendem oder gestörten Schlaf addieren sich. Mit jedem Faktor riskiert man mehr Fehler und Unfälle.
  3. Sehr lange Arbeitswege, finanzielle und soziale Anreize erhöhen ständig den Druck, länger am Stück zu arbeiten und die Arbeit selbst zu verdichten. Das kann die Müdigkeit weiter verschärfen, die ihrerseits die Arbeitsteilung beeinträchtigt.
  4. Weltweit schlafen Nachtschichtarbeiter oftmals bei der Arbeit oder während der anschließenden Heimfahrt ein; dadurch steigt die Unfallhäufigkeit.
  5. Auf Fernstraßen und Stadtautobahnen ist die Gefahr einschlafbedingter Unfälle besonders hoch, insbesondere zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens sowie am frühen Nachmittag. Zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens steigt das Risiko für Straßenverkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang deutlich an. In mehr als der Hälfte davon sind junge Männer unter 30 Jahren verwickelt, selbst wenn Alkohol als Unfallursache ausgeschlossen werden kann. Die derzeitige Unfallberichterstattung unterschätzt aller Wahrscheinlichkeit nach, wie häufig Verkehrsunfälle auf Einschlafen zurückzuführen sind.
  6. Da Ermüdung die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt, zieht sie vermutlich viel häufiger Industrie- und Verkehrsunfälle nach sich, als sich das in den offiziellen Untersuchungen und Statistiken niederschlägt.
  7. Fehlende oder unzureichende Arbeitszeitregelungen gefährden in vielen Ländern die öffentliche Sicherheit. Das gilt vor allem für Branchen, in denen die Arbeit der Beschäftigten direkt auf die eigene Sicherheit zurückwirken kann, auf die öffentliche Sicherheit oder gar auf die Umwelt (zum Beispiel Verkehr, Chemie, Kernenergie).

Quelle: „Unsere Innere Uhr“ von Jürgen Zulley und Barbara Knab

 

Die psychischen Folgen

Die psychischen Folgen von Schlafmangel und Übermüdung sind stärker, als die meisten Menschen glauben möchten. Schlechte Laune, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Misstrauen sind nur die mildesten Symptome von Übermüdung.

Allerdings kann Schlafmangel auch schlimmere Folgen nach sich ziehen, besonders wenn man häufig seine Nachtruhe vernachlässigt. Studien zeigen, dass Depressionen, Sinnestäuschungen und Halluzination häufige schwerwiegende Folgen von starkem Schlafmangel sein können. allein die Tatsache, dass Schlafmangel in vielen Ländern als Foltermethode genutzt wird, zeigt wie schädigend dies für uns Menschen sein können.

Entspannungstechniken

Doch auch die körpereigenen Folgen sind nicht von der Hand zu weisen, denn Schlafmangel hinterlässt schon nach kurzer Zeit deutliche Spuren: Ähnlich wie im Frühstadium der Zuckerkrankheit sind die Blutzuckerwerte erhöht, ein verschlechterter Kohlenhydratstoffwechsel ist nachzuweisen, die Produktion von Schilddrüsenhormonen ist durcheinander und gegen Abend sind die Werte des Stresshormons Kortisol im Blut so hoch, wie sie es eigentlich nur am Morgen sein dürften. Auch wenn diese Abweichungen nach einer Weile ohne Schlafmangel sich wieder normalisieren, ist das Ganze für den Körper höchst anstrengend und kann irgendwann zu irreversiblen Dauerschäden führen.

 

Einschlafhilfen

Bei vielen Menschen ist oft allerdings auch das Einschlafen ein Problem. Der Stress des Tages oder Gedanken über so manche Probleme lassen Dich oft nicht einschlafen. Dafür gibt es allerdings einige hilfreiche Techniken, die Du erlernen kannst, um leichter einzuschlafen.

Wenn du mehr über dieses Thema erfahren möchtest, gelangst du hier zum Ratgeber „Entspannungsübungen zum Einschlafen“

 

Unsere Buchempfehlungen

  • Die Nonstop-Gesellschaft und ihr Preis. Vom Zeitmissbrauch zur Zeitkultur (Barbara Adam & Karlheinz A. Geißler)
  • Wenn der Schlaf gestört ist: Schlafmangel und -störungen (Ingrid Füller)
  • Bücher von Stiftung Warentest

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