Cheyne-Stokes-Atmung: Merkmale und Pathophysiologie
Bei der Cheyne-Stokes-Atmung handelt es sich um ein klar definiertes abnormales Atemmuster mit wiederkehrenden Zyklen aus Atemvertiefung, Atemabflachung und Atempausen.

Du erkennst sie an der engen Verbindung zwischen Atemregulation, CO₂-Schwankungen und verzögerter Rückmeldung an das Atemzentrum.
Charakteristisches Atmungsmuster und Zyklus
Die Cheyne-Stokes-Atmung zeigt ein typisches crescendo (lauter werdend) – diminuendo (leiser werdend) pattern der Atemtiefe. Deine Atemzüge werden schrittweise tiefer und oft schneller, bevor sie wieder flacher werden. Am Ende des Zyklus tritt meist eine Apnoe oder ausgeprägte Hypopnoe auf.
Dieses Muster zählt zur periodic breathing und wiederholt sich in festen Intervallen. Dabei schwankt dein Atemzugvolumen (tidal volume) deutlich, während die Atemfrequenz variieren kann. Die Phase der Atemvertiefung entspricht einer Hypopnoe, die funktionell oft mit Hyperventilation einhergeht.
Cheyne-Stokes-Atmung tritt häufig im Schlaf auf, besonders im REM-Schlaf, kann aber auch im Wachzustand beobachtet werden. Die Beschreibung geht auf John Cheyne und William Stokes zurück, die dieses Muster bereits im 19. Jahrhundert klinisch einordneten.
Abgrenzung zu anderen abnormalen Atmungsmustern
Du kannst die Cheyne-Stokes-Atmung von anderen abnormal breathing patterns durch ihren regelmäßigen, zyklischen Verlauf unterscheiden. Im Gegensatz dazu verläuft Biot-Atmung unregelmäßig und ohne vorhersehbare Abfolge von Apnoe und Atemvertiefung.
Kussmaul breathing unterscheidet sich ebenfalls klar. Sie zeigt eine dauerhaft tiefe, angestrengte Atmung ohne Apnoephasen und dient dem Ausgleich einer metabolischen Azidose. Bei der Cheyne-Stokes-Atmung wechseln sich dagegen Apnoe und Hyperventilation systematisch ab.
Die folgende Übersicht hilft dir bei der klinischen Einordnung:
| Atemmuster | Rhythmus | Apnoe | Typisches Merkmal |
| Cheyne-Stokes-Atmung | regelmäßig | ja | crescendo–diminuendo |
| Kussmaul-Atmung | konstant | nein | dauerhaft tiefe Atmung |
| Biot-Atmung | unregelmäßig | ja | keine Zyklen |
Pathophysiologische Mechanismen
Die Ursache der Cheyne-Stokes Respiration liegt in einer gestörten Rückkopplung zwischen Lunge, Blutgasen und Atemzentrum. Dein Körper reagiert verzögert auf Veränderungen des arteriellen CO₂-Partialdrucks, wodurch die Atemregulation instabil wird.
Steigt der CO₂-Wert, verstärkt das Atemzentrum deine Atmung überproportional. Sinkt er infolge der Hyperventilation, kommt es zur Atemdämpfung bis hin zur Apnoe. Diese Verzögerung erzeugt ein dauerhaftes Schwingen des Atemantriebs.
Eine detaillierte Beschreibung dieser Mechanismen findest du in der Darstellung zur Cheyne-Stokes-Atmung bei gestörter CO₂-Rückkopplung [1]. Besonders bei Herzinsuffizienz oder zerebralen Durchblutungsstörungen verstärken verlängerte Kreislaufzeiten dieses irregular breathing weiter.
Ursachen, Begleiterkrankungen und Therapie der Cheyne-Stokes-Atmung
Die Cheyne-Stokes-Atmung entsteht durch eine gestörte Regulation der Atmung und tritt häufig im Zusammenhang mit schweren Grunderkrankungen auf.

Sie betrifft vor allem den Schlaf, beeinflusst Sauerstoff- und Kohlendioxidwerte im Blut und erfordert oft eine gezielte interdisziplinäre Behandlung.
Häufigste Ursachen
Die Ursachen der Cheyne-Stokes-Atmung liegen meist in einer verzögerten Rückmeldung zwischen Lunge, Blutkreislauf und Atemzentrum. Durch eine verlängerte Zirkulationszeit reagiert dein Körper zu spät auf veränderte Kohlendioxid- und Sauerstoffwerte.
Häufige Auslöser sind:
- Schwere Herzinsuffizienz, insbesondere bei reduzierter Pumpleistung
- Zentrale Schlafapnoe und das zentrale Schlafapnoe-Syndrom
- Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Hirnverletzungen
- Stoffwechselstörungen wie Hyponatriämie
Auch Zustände wie kardiogenes Lungenödem, Kohlenmonoxidvergiftung oder ausgeprägte Hypoxie können das periodische An- und Abschwellen der Atmung begünstigen. Eine medizinische Einordnung hilft, die Cheyne-Stokes-Atmung von anderen Mustern wie der Kussmaul-Atmung abzugrenzen, wie sie in der medizinischen Definition der Cheyne-Stokes-Atmung [1] beschrieben wird.
Verbindung zu Herzinsuffizienz und anderen Erkrankungen
Cheyne-Stokes-Atmung tritt besonders häufig bei Herzinsuffizienz und kongestiver Herzinsuffizienz auf. Eine verminderte Herzleistung verlängert die Zeit, bis Blutgasveränderungen das Atemzentrum erreichen.
Das führt zu:
- Schwankenden Blutsauerstoffwerten
- Abfall und Anstieg der Kohlendioxidspiegel
- Wiederholten Atempausen im Schlaf
Begleiterkrankungen sind oft Arrhythmien, Belastungsdyspnoe und pulmonale Stauung bis hin zum kardiogenen Lungenödem. Die Atmungsstörung zählt zur zentralen Schlafapnoe und unterscheidet sich klar von der obstruktiven Schlafapnoe (OSA), bei der die oberen Atemwege kollabieren. Fachlich wird dieser Zusammenhang unter anderem in der schlafmedizinischen Einordnung bei Herzinsuffizienz [2] detailliert beschrieben.
Symptome und Diagnosestellung
Typische Symptome der Cheyne-Stokes-Atmung betreffen vor allem den Schlaf und deine Leistungsfähigkeit am Tag. Viele Betroffene berichten über:
- Ausgeprägte Tagesmüdigkeit und excessive daytime sleepiness
- Konzentrationsprobleme und Tagesfatigue
- Nächtliches Erwachen mit Luftnot
Im Gegensatz zur OSA fehlt oft lautes, dauerhaftes Schnarchen, dafür wechseln sich ruhige und angestrengte Atemphasen ab. Die Diagnostik erfolgt bevorzugt durch Polysomnographie im Schlaflabor, also eine strukturierte Schlafstudie. Ergänzend kann ein Home Sleep Test Hinweise liefern, reicht allein aber nicht aus. Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt eine genaue Differenzierung zwischen zentraler und obstruktiver Schlafapnoe, wie sie auch in klinischen Übersichten zur zentralen Schlafapnoe bei Cheyne-Stokes-Atmung [3] dargestellt wird.
Therapeutische Ansätze und Verlauf
Die Therapie richtet sich primär nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Bei Herzinsuffizienz steht die Optimierung der kardiologischen Behandlung im Vordergrund, meist begleitet durch einen Kardiologen.
Typische Maßnahmen sind:
- Diuretika und Betablocker zur Herzentlastung
- Behandlung von Rhythmusstörungen
- In ausgewählten Fällen Sauerstofftherapie
Schlafbezogen kommen CPAP-Therapie oder adaptive Servo-Ventilation (ASV) infrage, abhängig von Herzfunktion und Apnoeform. Respiratorische Stimulanzien wie Theophyllin spielen nur eine untergeordnete Rolle. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kardiologe und Pneumologe verbessert den Verlauf deutlich. Grundlagen zu Therapieoptionen und Risiken findest du auch in der Übersicht zu Ursachen, Symptomen und Behandlung [4].



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