Kinder und Schlaf

Sowohl im Kindes- als auch im Jugendalter sind Schlafstörungen häufig. Dabei scheinen Jungen ein höheres Risiko als Mädchen für alle Formen von Schlafstörungen zu haben. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass bis zu 40 Prozent der Kinder im Vorschul- und Schulalter von Schlafstörungen betroffen sind.

Das Verständnis ihrer Schlafbedürfnisse ist der erste Schritt, um Kindern einen besseren Schlaf zu ermöglichen. Durch eine Kombination aus Schlafhygiene, altersgerechten Routinen und genauer Beobachtung von Schlafstörungen kann man seinem Kind helfen, die Ruhe zu bekommen, die es braucht, um gestärkt und zufrieden aufzuwachsen.

Kinder und Schlaf

Warum ist Schlaf wichtig für Kinder?

Schlaf spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des jungen Geistes. Die Forschung zeigt, dass Schlaf nicht nur eine direkte Auswirkung auf das Glücksempfinden hat, sondern auch die Wachsamkeit und Aufmerksamkeit, die kognitive Leistung, die Stimmung, die Widerstandsfähigkeit, den Wortschatzerwerb sowie das Lernen und Gedächtnis beeinflusst. Schlaf hat auch wichtige Auswirkungen auf das Wachstum, besonders im frühen Kindesalter. Bei Kleinkindern scheint das Nickerchen für die Festigung des Gedächtnisses, die exekutive Aufmerksamkeit und die Entwicklung motorischer Fähigkeiten notwendig zu sein.

Was passiert, wenn Kinder nicht genug Schlaf bekommen?

Wie alle Eltern wissen, kann ein Kind, das zu wenig Schlaf bekommt, zwischen mürrisch und hyperaktiv schwanken, mit Auswirkungen, die ADHS ähneln können. Schläfrigkeit kann sich auch auf die Aufmerksamkeitsfähigkeit deines Kindes auswirken, was wiederum Auswirkungen auf seine schulischen Leistungen hat. Selbst minimale Schlafeinschränkungen können Auswirkungen auf das tägliche Leben deines Kindes haben.

Ein Viertel der Kinder unter 5 Jahren bekommen nicht ausreichend Schlaf. Dies ist besorgniserregend, da schlechter Schlaf in der frühen Kindheit mit allergischem Schnupfen und Problemen mit dem Immunsystem sowie mit Angstzuständen und Depressionen in Verbindung gebracht wurde. Es gibt auch neue Hinweise darauf, dass schlechter Schlaf in der Kindheit spätere kardiovaskuläre Risiken in Form von Fettleibigkeit, Diabetes und Bluthochdruck mit sich bringen kann.

Bei Jugendlichen kann unzureichender Schlaf langfristige Auswirkungen auf die schulischen Leistungen und die psychische Gesundheit haben. Schlafmangel ist ein Risikofaktor für Drogenmissbrauch und psychische Probleme, aber auch für unmittelbarere Probleme wie Autounfälle und Sportverletzungen.

Tipps, wie du deinem Kind einen erholsamen Schlaf gewährleisten kannst

Die Schlafbedürfnisse eines Kindes ändern sich mit zunehmendem Alter, aber egal, ob es sich um ein 2-jähriges Kleinkind oder einen dickköpfigen Teenager handelt, Untersuchungen zeigen, dass eine gleichbleibende Schlafenszeit-Routine hilfreich ist, um sicherzustellen, dass dein Kind genug Schlaf bekommt. Welche Aktivitäten man auch immer wählt, versuche jeden Tag dieselben Aktivitäten in der gleichen Reihenfolge durchzuführen, damit dein Kind weiß, was es zu erwarten hat.

Eine typische Schlafenszeit-Routine könnte Folgendes beinhalten:

  • Ausschalten von Computern, Fernsehern, Videospielen und anderen hellen Lichtern
  • Anziehen des Pyjamas und Zähneputzen
  • Ein leichtes Buch lesen, ein Schlaflied singen oder ein Bad nehmen
  • Bei Kleinkindern ein Stofftier oder eine Kuscheldecke für die Nacht aussuchen

Die beste Zeit, um dein Kind ins Bett zu bringen, ist, wenn es schläfrig ist, nicht wenn es bereits schläft. So lernt es, selbständig einzuschlafen. Wenn Kinder im Vorschulalter mitten in der Nacht aufwachen, sollte man sie zurück in ihr Bett bringen. Säuglinge sollten möglichst nicht in deinem Bett schlafen, da durch das gemeinsame Schlafen das Risiko eines plötzlichen Kindstods steigt.

Schlafhygiene-Tipps für Kinder

Auch die Tagesgewohnheiten beeinflussen den Schlaf. Mit grundlegenden Regeln zur Schlafhygiene kann man einen erholsamen Schlaf bei Kindern fördern:

  • Gestalte einen ausgewogenen Zeitplan mit abwechselnden Ruhe- und Spielphasen
  • Regelmäßige Schlafenszeit einhalten
  • Das Schlafzimmer und vor allem das Bett sollten auch tagsüber eine bildschirmfreie Zone sein
  • Gesunde Ernährung
  • Einstellen des Thermostats auf eine etwas kühlere Temperatur
  • Verwende verdunkelnde Vorhänge, um das Licht abzuschirmen, oder ein Nachtlicht, wenn dein Kind Angst vor der Dunkelheit hat
  • Stille im Schlafzimmer oder ein White-Noise-Gerät, um Außengeräusche auszublenden
  • Vermeide vor dem Schlafengehen Koffein, große Mahlzeiten und zuckerhaltige Leckereien und entscheide dich für einen gesunden Snack vor dem Schlafengehen, falls nötig

Es ist wichtig, seinem Kind regelmäßige Bewegung zu ermöglichen, jedoch sollten das Kind nicht überanstrengt werden, damit es nachts besser schlafen kann. In den meisten Fällen wird es dadurch übermüdet und es fällt ihm schwerer einzuschlafen. Erkenne den speziellen Grad der Übermüdung, der signalisiert, dass dein Kleinkind zu müde ist, so dass du es ins Bett bringen kannst, bevor es zu spät ist.

Eine Schlafenszeit-Routine ist manchmal leichter gesagt als getan. In Haushalten mit zwei Elternteilen oder Geschwistern, die sich ein Zimmer teilen, kann die Schlafenszeit zusätzliche Anstrengungen erfordern.

  • Schlaftipps für Säuglinge: Da sie noch keinen zirkadianen Rhythmus entwickelt haben, schlafen Säuglinge nur selten die ganze Nacht durch, und das ist in Ordnung. Wenn sie nicht von selbst wieder einschlafen, kann man sie beruhigen, indem man mit ihnen spricht oder sie berührt, ohne sie auf den Arm zu nehmen. Wenn es weiter weint, ist es vielleicht hungrig oder muss gewickelt werden. Kümmere dich schnell und leise um das Problem, wenn möglich nur mit einem Nachtlicht, und verlasse den Raum in aller Ruhe.
  • Schlaftipps für Kleinkinder: Kleinkinder haben einen Schlafplan, der durch zwei Nickerchen am Tag ergänzt wird. Die Schlafprobleme von Kleinkindern werden durch Trennungs- und Vernachlässigungsängste verstärkt, was sich in Hinhaltetechniken und Widerspenstigkeit zur Schlafenszeit äußert. Diese Beschwerden kannst Du reduzieren, indem Du Deinem Kind die Kontrolle über kleine Entscheidungen überlässt, z.B. welchen Schlafanzug es anziehen oder welches Buch es lesen soll. Versuche dabei geduldig, entschlossen und dennoch liebevoll zu sein, denn Machtkämpfe werden wahrscheinlich eine stärkere Reaktion bei ihnen hervorrufen.
  • Schlaftipps für Schulkinder: Zwischen schulischen, sozialen und außerschulischen Verpflichtungen haben Kinder im Schulalter oft einen vollen Terminkalender, der es schwierig machen kann, eine gute Nachtruhe zu bekommen. Versuche daher, wo immer möglich, einen konsistenten Zeitplan und eine Ruhephase vor dem Schlafengehen einzuhalten. Um die Verbindung zwischen dem Schlafzimmer und dem Schlaf zu stärken, solltest du sie Hausaufgaben oder andere Aktivitäten in einem anderen Raum erledigen lassen.
  • Schlaftipps für Teenager: Teenager sind auf einen späteren zirkadianen Rhythmus programmiert, was ein Problem mit den Schulanfangszeiten darstellen kann. Du kannst deinem Teenager helfen, indem du die erhöhten Anforderungen an seine Zeit anerkennst und gemeinsam mit ihm einen gesunden Schlafplan findest, der mit seinem Lebensstil funktioniert. Teenager scheinen ihre Eltern bis zu einem gewissen Grad zu imitieren, wenn es um das Schlafen geht, also ist eines der besten Dinge, die du tun kannst, um ihnen zu helfen, einen gesunden Schlafrhythmus zu entwickeln, selbst einen zu haben.

Die Morgenstunden sind ebenfalls wichtig. Auch wenn es verlockend ist, seine Kinder am Wochenende ausschlafen zu lassen, kann dies ihren Schlafrhythmus stören und das Aufwachen unter der Woche erschweren. Versuche daher, nicht zu viele außerschulische Aktivitäten einzuplanen, wenn du feststellst, dass diese einen negativen Einfluss auf die Schlafzeit deines Kindes haben.

Wenn eine gesunde Schlafhygiene praktiziert wird und dein Kind sich immer noch schläfrig fühlt und Schwierigkeiten hat, einzuschlafen oder nachts durchzuschlafen, ist es vielleicht an der Zeit, einen Arzt aufzusuchen, um zu klären, ob es eine Schlafstörung hat. Du kannst auch den Lehrer bitten, dich über die Aufmerksamkeit deines Kindes auf dem Laufenden zu halten. Konzentrationsschwierigkeiten, hyperaktives Verhalten oder Lernprobleme können darauf hinweisen, dass das Kind nicht richtig schläft.

Schlafprobleme bei Kindern

Ereignisse wie ein neues Geschwisterchen, Zahnen, eine Krankheit, ein Ortswechsel, eine neue Betreuungsperson, eine Änderung des Tagesablaufs oder kleinere Beschwerden wie Allergien, Erkältungen und Ohrenentzündungen können den Schlaf eines Kindes stark beeinträchtigen.

Zusätzlich zu diesen häufigen Problemen leiden bis zu 50 Prozent der Kinder irgendwann an Schlafstörungen. Schlafstörungen sind eng mit psychischen und physischen Gesundheitsproblemen verwoben, wobei das eine das andere verschlimmert – ein Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist. Darüber hinaus sind einige Schlafstörungen für den Betroffenen nicht offensichtlich, oder sie spiegeln andere Erkrankungen wie z. B. Epilepsie wider, so dass sie schwer zu diagnostizieren sind.

Einige der häufigsten Schlafstörungen bei Kindern sind Nachtangst und Alpträume, Schlafapnoe, Schlafwandeln und Schlafsprechen, Schnarchen und das Restless-Leg-Syndrom.

Nachtangst und Albträume

Albträume können für Kleinkinder beängstigend sein, da es ihnen schwerer fällt, zu unterscheiden, was real ist und was nicht. Kinder wachen oft aus Albträumen auf, die normalerweise während des REM-Schlafs auftreten. Wenn dies geschieht, sollten das Kind beruhigt und sanft in den Schlaf begleitet werden.

Nachtangst, auch bekannt als Schlafangst, ist eine Parasomnie, die früh in der Nacht während des Nicht-REM-Schlafs bei etwa einem Drittel der Kinder auftritt. Es kann sein, dass das Kind während eines nächtlichen Schreckens schreit und sich aufrichtet, aber es wacht normalerweise nicht auf und kann sich am Morgen nicht an den Vorfall erinnern. Das Beste, was man dagegen tun kann, ist, dafür zu sorgen, dass das Kind in seinem Bett bleibt, wenn möglich. Es gibt keinen Grund, es aufzuwecken oder sich Sorgen zu machen, wenn es gelegentlich nächtliche Schrecken erlebt, aber wenn diese sehr häufig auftreten oder zu Tagesmüdigkeit führen, sollte man mit dem Kinderarzt darüber sprechen.

Schlafsprechen und Schlafwandeln

Schlafwandeln ist eine häufige Parasomnie, bei der es zu Lautäußerungen während des Schlafs kommt. Schlafwandeln scheint häufiger während des leichten Schlafs aufzutreten, daher kann eine gute Schlafhygiene helfen, die Häufigkeit des Schlafwandelns zu reduzieren. Obwohl es für sich genommen harmlos ist, kann das Schlafwandeln andere Menschen im Schlafzimmer stören. Es wird manchmal mit anderen Schlafstörungen wie Albträumen in Verbindung gebracht.

Untersuchungen legen nahe, dass 1 von 3 Kindern vor dem 13. Lebensjahr schlafwandelt, wobei die meisten Vorfälle in den Jahren vor dem Teenager-Alter auftreten. Wie beim Schlafreden nehmen Schlafwandler ihre Umgebung nicht wahr und können sich in der Regel nicht mehr an ihre Aktivität erinnern. Zusätzlich zur Tagesmüdigkeit kann Schlafwandeln ernste Konsequenzen haben, abhängig von den Handlungen der Person. Wenn ein Kind schlafwandelt, ist es ratsam, sein Schlafzimmer zu sichern und eine Warnanlage zu installieren. Es ist sinnvoll, jemanden etwa eine halbe Stunde vor der regulären Schlafwandelphase zu wecken.

Schnarchen und Schlafapnoe

Genau wie bei Erwachsenen ist es normal, dass Kinder gelegentlich schnarchen. Schnarchen bei Kindern kann durch geschwollene Mandeln oder Adenoide, Allergien, Übergewicht, Passivrauchen oder andere Faktoren verursacht werden. Wenn dein Kind jedoch übermäßig schnarcht oder Atempausen gefolgt von Schnappatmung aufweist, hat es möglicherweise eine Schlafapnoe.

Kinder mit Schlafapnoe leiden unter einer gestörten Atmung, die sie dazu veranlasst, mehrmals in der Nacht aufzuwachen, oft ohne, dass sie es merken. Der erste Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt, ist möglicherweise, wenn man bei seinem Kind die typischen Anzeichen von Schlafmangel bemerkt, wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Hyperaktivität. Häufiges Schnarchen und Schlafapnoe können sich negativ auf die Gesundheit des Kindes auswirken und auch für andere Familienmitglieder störend sein. Sprich mit deinem Kinderarzt über Möglichkeiten, die Symptome zu reduzieren.

Restless-Legs-Syndrom

Das Restless-Legs-Syndrom bei Kindern zeichnet sich durch einen unbändigen Bewegungsdrang der Beine aus und ist oft schwer zu erkennen. Man könnte meinen, das Kind zappelt nur herum oder leidet unter Wachstumsschmerzen. Die Behandlung des nächtlichen Restless-Legs-Syndroms bei Kindern umfasst richtige Schlafhygiene und Dehnübungen vor dem Schlafengehen. Eisenpräparate haben sich bei der Behandlung von Erwachsenen als nützlich erwiesen, aber die Sicherheit und Wirksamkeit von Eisenpräparaten für Kinder wird noch erforscht.

Sollte der Verdacht bestehen, dass das eigene Kind an einer dieser Schlafstörungen leidet, sollten die Symptome in einem Schlaftagebuch festgehalten und mit dem Kinderarzt besprochen werden. Die Einführung guter Schlafhygienegewohnheiten und die Beseitigung anderer Hindernisse für den richtigen Schlaf ist die erste Option bei der Behandlung vieler dieser Erkrankungen.